05.07.2016

Klimagipfel und Kapitalanlage

Am 12. Dezember 2015 haben 195 Staaten, die zusammen für mehr als 90 Prozent der weltweiten Emission von Treibhausgasen verantwortlich sind, ein Abkommen gegen die Erderwärmung unterzeichnet. Ein historischer Schritt – der für Investoren aber die Frage aufwirft, inwieweit sich künftig die Spielregeln für die einzelnen Anlageklassen ändern.

Das Jahr 2015 war nicht nur das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – erstmals lag die Durchschnittstemperatur weltweit sogar um ein Grad über dem langjährigen Mittel. Damit ist die Hälfte der Zwei-Grad-Grenze erreicht, ab der die Erderwärmung mit all ihren negativen Folgen als unumkehrbar gilt und das Ökosystem der Erde irreparablen Schaden nimmt.

Verantwortlich dafür sind der Mensch und die von ihm produzierten Treibhausgase, insbesondere Kohlendioxid. Derzeit beträgt die CO2-Konzentration in der Atmosphäre rund 400 ppm (parts per million). Der Weltklimarat geht davon aus, dass nur bei Einhaltung der Grenze von 450 ppm der Anstieg der Temperatur um zwei Grad Celsius begrenzt werden kann. Viel Spielraum ist also nicht mehr.

„Wir müssen die globalen Treibhausgasemissionen von 2010 bis 2050 um 40 bis 70 Prozent reduzieren“, erklärt Robert Hauser, stellvertretender Leiter des Bereichs ESG-Solutions bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB): „Und danach müssen sie gegen null sinken.“ Mit dem Abkommen von Paris haben sich die beteiligten Staaten verpflichtet, ihren Beitrag zu leisten, um genau das zu erreichen und, wenn möglich, den Temperaturanstieg sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Die Frage nach den konkreten Schritten blieb allerdings – wie so oft nach politischen Gipfeln – unbeantwortet. Was ist nun tatsächlich zu erwarten?

„Eine wesentliche Voraussetzung, um die Emissionen auf globaler Ebene in den Griff zu bekommen, ist, dass der Ausstoß von CO2 generell einen Preis bekommt“, erklärt Sonja Peterson, Wissenschaftliche Geschäftsführerin am Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Die Idee: Die einzelnen Länder legen – im Rahmen einer internationalen Klimapolitik – ihre jeweils nötigen Reduktionsziele fest. In Höhe dieser Obergrenze wird dem Unternehmenssektor dann eine entsprechende Menge an Emissionszertifikaten zugeteilt. Stößt ein Unternehmen weniger Treibhausgase aus, kann es die nicht genutzten Zertifikate über die Börse verkaufen. Braucht es mehr, muss es Emissionsrechte nachkaufen. Auf diese Weise entsteht Klarheit über den langfristigen Pfad der Emissionsbegrenzung. Und ein Anreiz, in Technologien zu investieren, die den Schadstoffausstoß langfristig senken.

Heute haben laut der Weltbank auf diese Art und Weise allerdings erst etwa zwölf Prozent aller Emissionen weltweit einen Preis. Und selbst in diesen Fällen funktioniert das System nicht besonders gut. „In Europa wurden aus heutiger Sicht zu viele Zertifikate ausgegeben“, erklärt Peterson. Die Folge: Der Preis für ein Zertifikat, der seinen Höchststand bei 30 Euro hatte, brach zuletzt bis auf unter sechs Euro ein. „Entscheidend für den Erfolg der Strategie wird es sein, dass immer mehr Länder einen nationalen Handel mit Emissionszertifikaten einführen und dabei immer bessere Mechanismen zur Steuerung der Zertifikatemenge nutzen.“

Schwieriger werde es, die Emissionen außerhalb der Industrie, also im privaten Bereich, in den Griff zu bekommen. „Dies ist mit der jetzigen Art des Zertifikathandels kaum möglich. Zwar wäre ein einheitlicher CO2-Preis effizienter, aber vermutlich werden wir eher einzelne Regularien sehen, wie etwa die Begrenzung des CO2-Ausstoßes bei Fahrzeugen oder die stärkere Förderung regenerativer Energien“, meint Peterson.

All das wird erhebliche Auswirkungen auf einzelne Branchen und damit auch auf die einzelnen Anlageklassen haben. „Den Klimawandel in der Anlagestrategie zu berücksichtigen“, macht Eric Borremans, Nachhaltigkeitsexperte von Pictet Asset Management, darum klar, „hat heute nichts mehr mit ethischen Investments zu tun. Es ist vielmehr absolut notwendig, um die Depots zukunftssicher zu gestalten.“ Die Experten liefern Antworten, auf die acht wichtigsten Fragen.

01. Wie hoch ist der CO2-Fußabdruck?

„Das ist die erste wichtige Frage“, erklärt Robert Hauser. „Denn je höher der CO2-Fußabdruck in einem Portfolio, desto höheren Risiken ist es tendenziell ausgesetzt.“ Bei Unternehmen werden drei Bereiche gemessen – sogenannte Scopes. Scope 1 betrifft den direkten Ausstoß an Emissionen bei der Produktion, Scope 2 die indirekten Emissionen, beispielsweise die eingekaufte Energie, und Scope 3 indirekte Emissionen durch Dritte. Dabei geht es um die von den Firmen hergestellten Güter wie Autos oder Haushaltsgeräte und deren Ausstoß, der dann durch die Verbraucher verursacht wird.

„In der Regel konzentrieren wir uns auf die ersten beiden Stufen, da die Datenlage bei Scope 3 noch nicht ausreichend ist“, so Hauser. Mit Scope 1 und 2 haben die Experten der ZKB zum Beispiel den Fußabdruck des globalen Aktienindex MSCI Welt berechnet. Das Ergebnis: Bezogen auf eine Million Franken Umsatz liegt der Ausstoß an CO2 bei knapp 200 Tonnen. „Wer mit seinem Portfolio darüber liegt, kann davon ausgehen, dass dort hohe Risiken schlummern“, folgert Hauser.

Anleger, die den Klima-Fußabdruck ihres Aktienportfolios kennen möchten, brauchen dafür die Daten zu Scope 1 und 2 der einzelnen Depotunternehmen. Banken, die Nachhaltigkeitsresearch betreiben, stellen diese Informationen in der Regel zur Verfügung. Zudem gibt es einige Websites, wo Anleger diese Daten – mit einem gewissen Aufwand – selbst recherchieren können. (Eine Liste der Websites wird unter montrealpledge.org/resources/ veröffentlicht.)

Hauser rät Anlegern allerdings davon ab, den Klimafußabdruck in einem Portfolio blind nach unten zu fahren. „Dann haben Sie am Ende nur noch Dienstleister und Titel aus der Finanzbranche im Portfolio. Sie sind dann zwar ganz anderen, aber ebenfalls hohen Risiken ausgesetzt.“

Aus Hausers Sicht gibt es verschiedene Methoden, das CO2-Risiko eines Portfolios zu reduzieren. So könnten zunächst karbonintensive Branchen ausgeschlossen oder die größten Besitzer fossiler Reserven sowie die größten CO2-Emittenten einfach weggelassen werden. Eine Alternative dazu bietet der Best-in-Class-Ansatz. In jeder Branche wird denjenigen Firmen der Vorzug gegeben, die mit der Dekarbonisierung von Produktionsprozess und Produkten am weitesten fortgeschritten sind. Hilfreich sind dabei Analysen des Carbon Disclosure Project (CDP), das jedes Jahr rund 5500 Unternehmen weltweit auf diese Punkte hin untersucht.

02. Wie hoch sind die Risiken bei Anlagen in Aktien traditioneller Energieträger?

„Bei der Frage nach dem Risiko stehen vor allem die Energieversorger, Firmen aus dem Bereich der Öl- und Gasexploration und die Autoindustrie im Fokus“, sagt Thiemo Lang, Portfoliomanager von RobecoSAM.

Der Weltklimarat geht davon aus, dass die Investitionen in die Förderung fossiler Energien zwischen 2010 und 2029 um durchschnittlich 100 Milliarden Dollar pro Jahr zurückgehen dürfte. Aus Anlegersicht werden deshalb wohl die sogenannten Stranded Assets ein Thema – also Vermögenswerte eines Unternehmens, die wegen regulatorischer Änderungen vor Ende des geplanten Lebenszyklus ihren Wert verlieren. „Ein Beispiel ist die Kohleindustrie“, erklärt Rainer Kloppert, Nachhaltigkeitsexperte der Bethmann Bank. „Aufgrund strengerer Grenzwerte für CO2-Emissionen werden Investments in diesem Segment zunehmend uninteressant.

Zudem richten Großanleger, etwa Staatsfonds, ihre Anlagestrategie verstärkt nachhaltig aus und ziehen sich aus vermeintlich schmutzigen Industrien zurück.“ Das macht sich schon heute in sinkenden Aktienkursen bei vielen Unternehmen aus der Kohleindustrie bemerkbar. Differenzierter fällt die Antwort der Profis auf die Frage nach der Attraktivität von Ölaktien aus. „Öl lässt sich nicht von heute auf morgen gänzlich durch alternative Energien substituieren, zumal es nicht nur in der Mobilität eingesetzt wird, sondern auch ein wichtiger Grundstoff für die chemische Industrie ist“, so Kloppert. Aufgrund der aktuell niedrigen Kurse und Bewertungen können Ölaktien deshalb als Beimischung attraktiv sein. Auf lange Sicht werde sich das aber wohl ändern. „Ein Rückgang des Ölverbrauchs wird die Unternehmen der Branche dann unter Druck bringen“, erklärt Lang.

Ähnlich knifflig ist die Auseinandersetzung mit den Titeln der Versorger. „Deren Geschäftskonzept, das auf zentraler Energieversorgung beruht und in dem fossile Energieträger eine erhebliche Rolle spielen, wird – ausgehend von den Entwicklungen in Westeuropa – schon seit einigen Jahren zunehmend infrage gestellt,“, so Lang. „Der Trend geht hin zur dezentralen Energieversorgung, bei der die Energie in kleinen, sauberen Einheiten erzeugt wird.“

Mittlerweile spiegeln die Aktienkurse der Versorger diesen Umbruch wider. Doch der Wechsel der Energieversorgung von zentral auf dezentral muss nicht das Ende der Versorger bedeuten. „Netze, über die der Strom läuft, werden immer benötigt“, erklärt Lang: „Es könnte künftig so sein, dass ein Hausbesitzer den von ihm selbst per Sonnenenergie produzierten Strom speichert und der Versorger auf diesen bei Bedarf zugreift und dorthin leitet, wo er gebraucht wird. Der Versorger wird so zum Netzmanager, der mithilfe von Speicherlösungen die Volatilität in der sauberen Stromerzeugung und dem Stromverbrauch ausgleicht und dafür bezahlt wird.“

„Außerdem“, ergänzt Markus Karl, Geschäftsführer des Münchner Family Office Focus Asset Management, „verfügen die großen Energiekonzerne über jede Menge Ressourcen und Kapital. Sie können diese nutzen, um sich für die Zukunft besser aufzustellen, sei es über eigene Forschung oder über Zukäufe.“

Ganz abschreiben sollten Anleger diese Bereiche also nicht. Einen Hinweis darauf, wer beim Wandel hin zu einer emissionsarmen Gesellschaft die geringsten Risiken aufweist, geben die Untersuchungen des Carbon Disclosure Projects. Aus dem Versorgersektor werden dort die deutsche E.ON und die spanische Iberdrola am besten beurteilt.

Ein weiterer Bereich, der künftig unter deutlich verschärften Umweltauflagen leiden wird, ist die Autoindustrie. „Entscheidend wird in diesem Sektor sein, wer künftig bei den innovativen Technologien die Nase vorn hat“, erklärt Hauser. Trotz der Erfolge von Tesla sei das Rennen um die Führungsposition bei Elektroautos noch lange nicht entschieden. „Bei Mobiltelefonen war Nokia auch lange führend, hat dann den Trend zum Smartphone aber verschlafen“, erläutert der Experte. Im CDP-Report 2015 haben es übrigens BMW, Fiat und Nissan in die A-Liste geschafft.

03. Was ist mit der Atomkraft?

Wenn es allein um das Klima geht, zählt Kernenergie zu den sauberen Technologien. Sie könnte nach Ansicht mancher Experten deshalb als Übergangstechnologie dienen. Portfoliomanager Lang rät trotzdem ab: „Diese Form der Energieversorgung hat keine Zukunft“, sagt er. „Von den rund 440 Atomkraftwerken auf der Welt nähert sich etwa ein Drittel dem Ende der Lebenszeit. Es wird schon schwierig genug sein, diesen alten Bestand zu ersetzen.“ Der Grund liege in den hohen externen Kosten und dem Problem der Endlagerung. „Insgesamt verliert die Kernkraft zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit.“

04. Lohnt es sich, verstärkt auf den Bereich erneuerbarer Energien zu setzen?

Vor allem Strom aus großen Solaranlagen gilt heute aufgrund der gesunkenen Preise für Solarmodule als wettbewerbsfähig im Vergleich zu der Elektrizität, die aus traditionellen Energieträgern erzeugt wird. Ähnlich attraktiv sind andere alternative Energiequellen wie Wind- oder Wasserkraft. Entsprechend steigt der Anteil erneuerbarer Energien an der Bruttostromerzeugung laufend an. Im vergangenen Jahr lag dieser hierzulande bei 30 Prozent – so hoch wie nie zuvor. Dabei hatte Windkraft mit über 13 Prozent den größten Anteil, Solar kam auf sechs Prozent.

Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen. „Angesichts des starken politischen Willens, den Ausstoß an CO2 weltweit zu reduzieren, werden zunehmend mehr alternative Energieanlagen installiert“, ist Pictet-Experte Borremans überzeugt. „Schon 2015 entfiel die Hälfte der neu installierten Kapazität auf regenerative Energien, bis 2030 werden diese auf globaler Ebene an Kohle vorbeiziehen, die aktuell mit rund 30 Prozent neben Öl die führende Energiequelle ist.“

Um die Emission von Treibhausgasen zu begrenzen, sind nach Ansicht des Weltklimarats künftig hohe zusätzliche Investitionen in den Ausbau regenerativer Energien notwendig. Konkret gehen die Experten davon aus, dass im Vergleich zur Investitionssumme des Jahres 2010 bis zum Jahr 2029 rund 147 Milliarden Dollar pro Jahr zusätzlich an Investitionen in emissionsarme Stromerzeugung fließen müssen.

Das ist gewaltig. Der enorme Nachfragezuwachs in diesem Sektor wird zwangsläufig attraktive Anlagemöglichkeiten mit sich bringen. Im Windkraftbereich arbeiten die führenden Unternehmen zum Beispiel daran, die Reibung bei den Anlagen zu reduzieren, die Anlagen selbst möglichst hoch und die Rotoren geräuscharm und leicht zu machen. Hier gelten unter anderem Vestas und Nordex als führende Unternehmen. Im Solarbereich geht es unter anderem um einen möglichst hohen Wirkungsgrad der Panels. Dort halten Experten die Firmen First Solar oder Sun Power für interessant.

05. Welche Branchen profitieren noch?

Als wichtigster Ansatzpunkt gilt hier die Energieeffizienz. „Rund 60 Prozent der eingesetzten Primärenergie geht über die gesamte Umwandlungskette verloren“, informiert Robert Hauser. „Energie einzusparen oder Energieverluste zu beseitigen, ist deshalb die direkteste und kostengünstigste Methode, die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren.“ Vonseiten der Politik dürfte deshalb auch die effizientere Nutzung von Energie gefördert werden.

So beinhaltet das Klimaschutzpaket der Europäischen Union auch die Steigerung der Energieeffizienz bis 2020 um 20 Prozent. Und die Experten des Weltklimarats gehen davon aus, dass bis 2029 in diesen Bereich pro Jahr rund 336 Milliarden Dollar zusätzlich an Investitionen fließen werden. Profitieren könnten vor allem Baufirmen, Technologieanbieter, die industrielle Prozesse verbessern, Leuchtmittelhersteller oder Unternehmen aus dem Konsumgüterbereich, die möglichst sparsame Haushaltsgeräte entwickeln.

Beispiele dafür sind der Leuchtmittelhersteller Acuity Brands, die Industriefirma Schindler, im Konsumgütersektor Electrolux oder Cirrus Logic, die Berkeley Group, die sich mit dem Bereich der Raum- und Prozesswärme befasst, oder die Strom- und Wärmeversorger Wasion Group, Silver Spring Networks oder Terna.

Besonders interessant ist auch der gesamte Sektor der Energiespeicherung. „Das ist derzeit noch ein Schwachpunkt bei allen Klimaplänen“, meint Kloppert, „denn es gibt noch keine wirklich effiziente Lösung.“ Dabei ist die effiziente Speicherung von Energie die Grundvoraussetzung für eine Lösung des Klimaproblems. Schließlich fallen Solar- und Windenergie nicht immer nur dann an, wenn sie gerade benötigt werden.

Heute forschen zahlreiche Unternehmen an Batterielösungen. „Die Firmen sehen sich inzwischen besseren Absatzmöglichkeiten gegenüber und verstärken deshalb ihre Forschung und Entwicklung“, bestätigt Thiemo Lang: „Die Speicherkapazitäten der Batterien erhöhen sich, die Preise sinken.“ Zu den Unternehmen, die hier am weitesten sind, zählt der amerikanische Elektroautohersteller Tesla, der bei der Entwicklung der Batterien auch mit der deutschen SMA Solar zusammenarbeitet. Zwar tummeln sich auch große Konzerne wie Samsung und LG in diesem jungen Bereich, bei ihnen trägt er allerdings noch nicht viel zum Gesamtumsatz und -gewinn bei.

06. Was ändert sich für Immobilien?

Studien zufolge sind in den Industrieländern Gebäude für rund 40 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich. „Deshalb gab es hier schon in den vergangenen Jahren viele regulatorische Vorschriften. Und es werden sicherlich noch weitere hinzukommen“, erläutert Karl. Für Investoren ist es deshalb wichtig zu prüfen, ob ein Objekt den künftig zu erwartenden Vorschriften genügt. „Wir gehen davon aus, dass die Nachhaltigkeit eines Gebäudes den künftigen Wert einer Immobilie entscheidend beeinflussen wird“, folgert er.

Entsprechen Immobilien nicht den Anforderungen, müssen sie saniert werden. „Die dabei entstehenden hohen Aufwendungen werden sich natürlich im Preis spiegeln“, erklärt der Experte und fügt hinzu: „Mag sein, dass der aktuelle Immobilienboom die Möglichkeit bietet, problematische Objekte günstig zu verkaufen.“

07. Beeinflusst das Klimaabkommen auch den Anleihebereich?

„Grundsätzlich stellen sich bei Unternehmensanleihen ähnliche Fragen wie im Aktienbereich“, erklärt Robert Hauser. Firmen mit geringerem CO2-Fußabdruck sind wahrscheinlich langfristig die besseren und risikoärmeren Schuldner. Auch Staatsanleihen können nach diesem Schema beurteilt werden. Die Idee: Die Kosten hoher Umweltverschmutzung belasten den Etat der Staaten. Und dies wirkt sich negativ auf die Bonität der Schuldner aus.

Langfristig könnten für Investoren auch sogenannte Green Bonds interessant werden. Der Ansatzpunkt: Große gesellschaftliche Herausforderungen wie der Klimawandel können nur mit hohem finanziellem Aufwand bestanden werden. Aus diesem Grund beschaffen sich Staaten, staatliche Einrichtungen oder Unternehmen die dafür notwendigen Mittel über die Emission spezieller Anleihen. Das hat zum Beispiel die KfW getan und im Jahr 2014 eine Grüne Anleihe ausgegeben. Die eingesammelten Mittel werden ausschließlich in erneuerbare Energien investiert, vor allem in die Förderung der Windkraft und der Solarenergie.

Aktuell spielt die Klimadiskussion für Käufer von Zinspapieren dennoch nur eine untergeordnete Rolle. „Die allgemeine Entwicklung der Zinsen hat einen viel größeren Einfluss. Angesichts der extrem niedrigen Renditen und der drohenden Kursverluste in einem Umfeld steigender Zinsen wäre ich bei Anleihekäufen derzeit grundsätzlich eher vorsichtig“, meint Markus Karl.

08. Ist der Kauf von Emissionszertifikaten interessant?

Aktuell sind die Experten bezüglich eines Investments in Emissionszertifikate eher zurückhaltend. Das liegt vor allem daran, dass die Politik einen wesentlichen Einfluss auf die Anzahl der begebenen Zertifikate und damit auch auf ihren Preis hat. ®

Autor: Gerd Hübner

 

 

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